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Gemeinschaft für Heimatgeschichte e. V.
Neuhausen auf den Fildern
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Geschichte der Neuhausener Protestanten

Evangelische Kirche und Schulhaus an der Ecke Schloß. Und Wilhelmstraße. Aufnahme aus dem Jahre 1920

Dass Neuhausen während der Refor-mation des I6. Jahrhunderts bekennt-nismäßig andere Wege ging als die weitere Umgebung und beim über-lieferten katholischen  Glauben blieb, war durch die besonderen staatsrecht-lichen Verhältnisse und den Ortsadel bedingt.  Bis zum Beginn des 19. Jahr-hunderts war die Bevölkerung der Gemeinde rein katholisch.

Bald nach 1800 fanden sich die ersten evangelischen Christen ein. Im Jahre  1850 zählte man 33 von 2 592 Ein-wohnern.  Der erste Versuch in Neu-hausen einen evangelischen Gottes-dienst abzuhalten, wurde im Jahre 1874 unternommen. Damals erhielt Pfarrer Wurm, Wolfschlugen,  den Auftrag, in der Wohnung einer evangelischen Familie in Neuhausen jeweils am ersten Sonntag eines Monats eine Erbauungsstunde zu halten. Aber schon im selben  Jahr musste der Pfarrer berichten, dass seine Bemühungen erfolglos seien. Pfarrer Wurm versuchte es immer wieder, hielt einige Male auch Gottesdienst in einem Rathaussaal, aber sein Eifer erlahmte, als er wenig Entgegenkommen fand.

Nach und nach hörte der Gottesdienst  in Neuhausen wieder auf, zumal ein weiterer Versuch,  denselben in einem Hause der Bahnhofstraße abzuhalten, misslang und auch die Transportkosten für pfarramtliche Vorrichtungen nicht gewährt wurden.  Dass in Neuhausen für die Protestanten etwas geschehen  müsse, erkannte im Jahre 1894 der Nürtinger Helfer Uhl, der einen Pfarrverweser von Wolfschlugen veranlasste,  biblischen Unterricht für konfirmierte und nichtkonfirmierte Kinder zu halten; Uhl gab später dem Pfarrer Walz von Wolfschlugen beim Eintritt in den Bezirk als erstes die Mahnung mit auf den Weg, in Neuhausen eine  Kirche zu bauen. Anders dachte der Nürtinger Dekan  Ellwanger, der befahl: “Sie haben alles beim alten zu lassen.

Den in Neuhausen begonnenen Unterricht werden Sie nicht fortsetzen. In den folgenden Jahren waren die Neuhausener evangelischen Christen wieder sich selbst überlassen.

 

Als aber  im Jahre 1899 die Filderbahn mehr Menschen nach Neuhausen brachte, evangelische Geschäftsleute sich in der  Gemeinde niederließen und deshalb der Pfarrer von  Wolfschlugen öfters genötigt war, den Weg zum Besuch seiner Seelen in Neuhausen per Fuhrwerk zurückzulegen, wurden ihm durch hohen Erlass vom 22. Juni 1899 erstmals Reisekosten aus dem geistlichen Unterstützungsfonds zugesagt.

Im selben Jahre war es, dass ein Katholik von Neuhausen - der Händler Josef Feinauer - Pfarrer Walz von Wolfschlugen, den er in der Ziegelei Gugel traf, folgendes sagte: Herr Pfarrer, Sie haben etwa siebzig erwachsene  Protestanten. Wissen Sie nicht, dass einer den siebzig viel  leichter nachläuft als siebzig einem?“  "Was wollen Sie damit sagen? " fragte der Pfarrer.

Darauf der Händler: “Sehen Sie, Herr Pfarrer, für die wenigen Katholiken auf der oberen Filder wurde in Hohenheim eine Kirche gebaut. Machen Sie es in Neuhausen  auch so!" Da Pfarrer Walz dieses Zwiegespräch dem Pfarrbericht beigefügt hatte, nahm es Dekan Hönes,  Nürtingen, zum Anlass, bei der Kirchenvisitation, die  bald danach in Wolfschlugen stattfand, den Kirchengemeinderat zu befragen und im Anschluss daran das Königliche Konsistorium zu benachrichtigen.

Am 17. Mai 1900 kam der Erlass, dass entsprechend der  Bitte des Kirchengemeinderats Wolfschlugen regelmäßige Gottesdienste in Neuhausen eingerichtet werden sollen. In einem weiteren Erlass vom 6. Juni 1900 wurde ein  Sonntagsgottesdienst einmal im Monat angeordnet.  Nach längerer Pause, am 22. Juli 1900, wurde nun der  Gottesdienst wieder aufgenommen. Die erste evangelische Predigt hielt der Dekan der damaligen Diözese, Christian Gottlob Hönes.

Zu dieser Feier war ein Singchor des Schullehrerseminars Nürtingen eingeladen, der sowohl beim Gottesdienst in der früheren katholischen  Kleinkinderschule als auch bei der geselligen Feier in der Brauerei Sprandel (zum Lamm) Lieder vortrug. Wegen  der Ausgaben für Miete, Reinigung und Feuerung behielt man den Bau eines eigenen Gotteshauses stets im  Auge.  Neben dem Gottesdienst wurde auch Religionsunterricht  abgehalten, zuerst im Bahnhofsgebäude, später in einem  Privathaus. Man sammelte nun Geld für den Bau eines  Gotteshauses. Mit großem Eifer setzten sich dafür Dr. med. Fuckel, Johann Gugel und Gottlieb Rotweiler ein. Schon am 8. Juli 1901 wurde ein Bauplatz in der Wilhelmstraße gekauft. Der Besitzer, Johann Anton Kurfeß,  Bauunternehmer, erhielt 2.573 RM. Die Grundfläche, I5  Ar, war groß genug, um Kirche, Pfarr- und Schulhaus zu  erstellen.

Im Sommer 1902 erstand nach den Plänen des  Architekten Karl Mayer, Stuttgart, die Kirche mit einem Kostenaufwand von 15 000 RM. Sie konnte am 7. Dezember eingeweiht werden. Der Pfarrer von Wolfschlugen musste allwöchentlich die über drei Kilometer lange Strecke zu Fuß oder mit der Kutsche zurücklegen, worüber er  sich des öfteren beklagte, zumal die Straßenverhältnisse ziemlich schlecht waren. Die Betreuung der evangelischen Christen in der Diaspora Neuhausen durch den Pfarrer von Wolfschlugen endete 1946. In diesem Jahr kam Pfarrer Franz Prechtl an die  evangelische Kirche. 1957 verwandelte sich die Diasporastelle in eine Pfarrverweserei, die seit 1961 als ständige  Pfarrstelle eingerichtet ist.

 

 Willi Fay       

 

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