Der Zugehörigkeit Neuhausens zum Hause Habsburg während der Reform-ation ist es zu zuschreiben, dass der Ortsadel und damit auch die Bürger des Ortes die katholische
Konfession behielten. Noch in einer Statistik der Oberamtsbeschreibung
von 1845 ist bei einer Einwohnerzahl von 2462 Menschen kein evangelischer Christ verzeichnet - eine Tatsache, die dem Pfarrdorf Neuhausen die Bezeichnung Katholisch-Neuhausen eingebracht hat.
Die stetig wachsende Zahl protest-antischer Mitbürger ließ den Wunsch nach einem evangelischen Gottesdienst laut werden. Bereits im Juli 1901 erfolgte der Ankauf eines Grundstücks in der
Wilhelmstraße, um darauf Kirche, Pfarrhaus und Schulhausbauen zu können. Der Bau des Gotteshauses erfolgte 1902 und wurde am 7. Dezember des gleichen Jahres eingeweiht. Das Gotteshaus hatte 100
Sitzplätze. Der Bau war eine Fachwerkkonstruktion mit getäfeltem Holzgewölbe. Der Dachreiter über dem Eingangsportal trug eine kleine Glocke, gegossen von dem Glockengießer Kiesel in Heilbronn. Erst
in den Jahren 1905/06 wurde das Gebäude für die Konfessionsschule hinter dem Gotteshaus errichtet und bot Räumlichkeiten für 30 Schüler und die Lehrerwohnung. Durch das Verbot von
Konfessionsschulen im dritten Reich endete hier der Unterricht.
Die Betreuung der evangelischen Christen in Neuhausen durch den Pfarrer in Wolfschlugen endete 1946, als der erste Pfarrer an die evangelische Kirche in Neuhausen kam. 1957 verwandelte sich die
Diasporastelle in eine Pfarrverweserei, die seit 1961 als ständige Pfarrstelle eingerichtet ist.
Wegen des raschen Anwachsens der
Kirchengemeinde fand am 17.7.1966 die
Grundsteinlegung für die neue Christuskirche in
der Dietrich-Bonhoeffer-Straße statt. Nach 1 1/2
jähriger Bauzeit wurde das neue Gemeindezentrum
am 10. Dezember 1967 eingeweiht.
Der Kirchturm trägt eine Glocke aus dem Jahr
1494, die ursprünglich der Gemeinde Schönbrunn
im Kreis Sprottau in Schlesien gehörte.
Aus der alten Kirche in der Wilhelmstraße sind
noch das Altarkreuz, der Taufstein und das
Glöcklein erhalten.