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Gemeinschaft für Heimatgeschichte e. V.
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Das Orgelpositiv von Hieronymus Spiegel, 1762 

Die Pfarrgemeinde St. Petrus und Paulus Neuhausen besitzt eine zweite, denkmal- geschützte, Orgel. Neben der Pfarrkirche besaß zeitweise auch die Liebfrauen- oder Friedhofskapelle Kirchenrechte folglich wurden dort Messen und andere liturgische Dienste gefeiert.  Deshalb wurde die Kapelle schon früh mit einer Orgel ausgestattet. Durch alte Rechnungsbücher, in denen Geldbeträge für kleinere  Orgelreparaturen, Orgelstimmungen und Kalkantendienste aufgeführt sind, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass bereits im Jahr 1725  ein Orgelpositiv vorhanden war.  Am 2. Juni 1725 wurden laut Buchführung an den durchreisenden  Orgelbauer Wallenhöfer aus Tirol 5 Gulden für eine Reparatur bezahlt. 

Nach dem sich dieses Instrument nicht bewährt hatte, wurde  1730 eine andere Orgel beschafft.  Im Jahre 1748 mussten an dieser Orgel die Blasebälge ausgebessert  werden. Hierzu findet sich eine Notiz im Rechnungsbuch jener Zeit:  "Dem Josef Fay wegen Ausbesserung der Blasbälge entrichtet: 20  Kreuzer".  Nachdem auch dieses Positiv, wohl nicht von besonderer Qualität,  schon nach ca.30 Jahren seinen Dienst versagt hatte, wurde auf  Beschluss der Kapellenpflege ein neues Orgelpositiv beim seinerzeit recht bekannten Orgelmacher Hieronymus Spiegel in Rottenburg am  Neckar bestellt.  Spiegel (1699-1779) entstammte einer bekannten  Prager Orgelbauerfamilie - machte sich aber nach Wanderjahren in  Rottenburg sesshaft und genoss einen guten Ruf als Orgelbauer.

 
Im  Jahre 1762 lieferte Hieronmymus Spiegel das ansehnliche Orgelpositiv  für 330 Gulden in der Liebfrauenkapelle ab. Technische Angaben zur Orgel: 

Das Orgelpositiv besitzt 1 zierliches Manual mit kurzer Oktav, d.h,  die untere Oktave besitzt nur die Töne C, D, E, F, G, A, H, C. Die  Halbtöne Cis, Dis, Fis und Gis wurden ausgespart.  Mit den Obertasten  Fis und Gis bedient man in Wirklichkeit die Töne D und E, deren Tasten ganz fehlen.  


Die Windversorgung wird durch 2 Keilbälge, auch Froschmaulbälge genannt, die sich im Orgelinnern direkt unter der Windlade befinden,  gewährleistet. Die Blasebälge können vom Kalkanten durch zwei  Riemen, die seitlich aus dem Orgelgehäuse hängen, betätigt werden.  

 

Die Disposition:  
Copel 8'  
Gedeckt 4'  
Oktave 2'  
Quinte 1 1/3 '  
Octav l'  
Nasard im Diskant 2 2/3'  
Principal im Baß l/2'  

gemeinsamer Registerzug, Nasard jedoch als Vorabzug Schleiflade  und mechanische

Traktur (Stecherlade).  


Das Positiv stand ursprünglich auf der in der Barockzeit nachträglich  eingebauten Orgelempore der Liebfrauenkapelle. Nach einer umfassenden Umgestaltung der Kapelle in den l960er Jahren wurde das Positiv, inzwischen schon stark renovierungsbedürftig, auf eine neu  konstruierte kleine Orgelempore gestellt.   Schwere, auch äußerlich sichtbare Schäden am Pfeifenwerk durch  Vandalismus, innere Schäden durch Holzwurm, Feuchtigkeit und  große Temperaturschwankungen an der Westwand der Kapelle, nicht  zuletzt auch das hohe Alter des Instrumentes, machten eine umfassende Renovation notwendig.  Im Jahre 1977 wurde die wertvolle Orgel auf Initiative eines kunstliebenden Kirchen-chorsängers und im Auftrag der Kirchengemeinde  durch die Fa. Friedrich Weigle, Echterdingen, restauriert.   Aus Kostengründen wurden allerdings die schadhaften Pfeifen nicht  renoviert, sondern durch Kopien ersetzt.  Die Originalpfeifen sind  aber nach wie vor eingelagert vorhanden.  Aus praktischen Gründen  wurde dem Instrument eine externe, elektrische Windversorgung angebaut, ohne dass die funktionstüchtige mechanische Windversorgung  beeinträchtigt wurde.  Das Positiv kam also heute alternativ mit elektrischem Strom oder  mit Muskelkraft betrieben werden. 


Anlässlich der Renovation der   großen Orgel in der Pfarrkirche St. Petrus und Paulus und wegen einer Innenrenovierung der Liebfrauenkapelle wurde das Orgelpositiv  als Interimsinstrument 1983 in der Pfarrkirche aufgestellt und gewann wegen seines besonderen klanglichen Reizes in Liturgie und  Konzert viele begeisterte Zuhörer.  


Die Nutzung des Positivs quasi als Chororgel sowie bessere äußere  Bedingungen zum Erhalt des lieb-gewonnenen Positivs waren die  Beweggründe der verantwortlichen Organisten und des  Kirchen-gemeinderates, das Instrument vorerst nicht in die gottesdienstlich kaum mehr genutzte Liebfrauen-kapelle zurückzubringen,  sondern bis auf weiteres in der Pfarrkirche zu belassen.        

 

Foto: Dominik Eisele, Fotographie
Textauszüge: Pfarrei und Kirche St. Peter und Paulus Neuhausen a.d.F. Band 1, 
Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung Neuhausen a.d.F. 1997

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