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Gemeinschaft für Heimatgeschichte e. V.
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Kirchenmusik

Nach dem Jahre 1700 lichtet sich langsam das Dunkel über unsere Kirchenmusik. Es bestand damals eine kleine Gruppe Kirchenmusiker, die man die „Geiger und Singer“ nannte. Sie begann mit 4 Geigern und ebenso vielen Sängern. Die obere Kapellenpflege gab ihnen den 1731 den Jahreslohn mit 8 Gulden. Um das Jahr 1750 war die Kirchenmusik auf 12 Spieler und ebenso viele Sänger angewachsen. An Instrumenten besaß die Kapelle 6 Geigen, eine Bassgeige, 3 Klarinetten und eine Pauke. 

 

Die Jantischaren und Figuralmesse (1750-1850)

 

In den nächsten 80 Jahren war unsere Kirchenmusik den beiden Lehrern Heinzmann, Vater und Sohn, anvertraut. Im Jahre 1780 zählte sie 15 Spieler und 20 Sänger und pflegte ausschließlich den lateinischen Choralgesang, der damals auf einer beachtlichen Höhe stand.   Um 1800 war die Gruppe der Musikanten auf 20 Streich-, Blas- und Schlaginstrumente angewachsen, ihnen standen 18 Sänger zur Seite. Die Kapelle hieß man die Türkische Musik oder Janitscharia, weil die türkischen Militärkapellen ihr Vorbild waren. Sie führte ein besonderes Instrument, Türkenhut genannt. 

In den 1790er Jahren ging man allgemein dazu über, die lateinischen Choralmelodien vierstimmig zu setzen und sie durch die Musikkapelle begleiten zu lassen. Länger als ein halbes Jahrhundert führte man die neuen kirchlichen Gesänge mit Musikbegleitung, die sogenannte Figuralmusik, auch in unserer Pfarrkirche auf. Da paukte und dröhnte es durch den Raum, wobei Sänger und Musikanten sich gegenseitig zu überbieten suchten, dass man befürchten musste, ihre Mauern konnten einstürzen. Die Kirche war zwei Menschenalter hindurch mehr ein Konzerthaus als ein Bethaus. Doch diese Musik war verweltlicht und der Reform dringend nötig. Doch hat man vielleicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.“ Nicht anders urteilten damals die Geistlichen und die ganze Gemeinde: sie alle waren stolz aus ihre Kirchenmusik, die ihresgleichen nicht hatte! Umso ungehaltener war man in Neuhausen, als das Ordinariat 1824 die figurierten Messen nur noch an Feiertagen erlaubte und für die Sonntage den deutschen Kirchengesang anordnete. Aus dem Jahre 1846 erfahren wir:

„Die Kirchenmusiker sind äußerst unzufrieden, weil nur an Festtagen Figuralmusik gemacht werden darf.“ Inzwischen hatte um 1830 Schultheiß Balluff den Lehrer Josef Anton Heinzmann abgelöst und die Leitung der Kirchenmusik übernommen. Er baute die Türkische Musik zu einem leistungsfähigen Tonkörper aus, der 1836 bereits 9 Saiten-, 3 Holz- und 14 Blech- und Schlaginstrumente zählte. Im Jahre 1843 trat Balluff die Leitung an den Lehrer Strigl ab, später übernahm sie Johann Tod. Das Orchester zählte damals 10 Streich-, 12 Holz-, 19 Blech- und 8 Schlaginstrumente und der Sängerchor 40 Mitglieder. Als die Kirchenmusik bei der Amtseinsetzung von Oberkirchenrat Schott ein „musikalisches Amt“ vortrug, sagte ein Musiksachverständiger: 

„ Sänger und Musiker haben das musikalische Messamt zur vollen Zufriedenheit aufgeführt und hohes Lob verdient.“ Die Türkische Musik oder Janitscharia verdiente noch eine besondere Anerkennung, als sie beim Festmahl spielte und dadurch die „Festesfreude und Festlichkeit erhöhte.“ Als die Kirchenmusik Ende der 1850er Jahre ihren Höhepunkt überschritten hatte, nannte man die Kapelle auch die Harmoniemusik. Sie zählte nach 1860 noch 38 Instrumente und löste sich ein Jahrzehnt später auf.


Im Jahre 1867 entstand der deutsche Cäcilienverein und bahnte einer würdigen Kirchenmusik den Weg. Schon einige Jahre früher hatte ein feinsinniger Musiker, Lehrer Anton Johner, die alte Singgruppe in einen Chor von Männern und Frauen umgewandelt und lateinische und deutsche Chöre ohne musikalische Begleitung vorzutragen versucht. Er stieß dabei vielfach auf Widerstand, ließ sich aber nicht beirren und baute den Chor weiter aus.  Seit der Mitte der 1870er Jahre war der Singchor der alleinige Träger der Kirchenmusik.  

Johann Baptist Schmid löste den Singchor im Herbst 1881 auf, gründete den Männergesangverein Eintracht, der mit Zustimmung des Ortspfarrers den Auftrag des Kirchenchors mit übernahm. Von 1909 an leitete ihn Wilhelm Göppel, der seine kirchliche Aufgabe von Anfang an ernst auffasste, dass sich bald ein Fortschritt zeigte. Er hat es in der kommenden Zeit verstanden, das Verständnis der Bevölkerung für die kirchliche Musik zu wecken und ihr eine würdige Stellung im feierlichen Gottesdienst zu sichern. Der Bischof anerkannte seine Leistungen und ernannte ihn im Jahre 1929 zum Kirchenmusikdirektor.

 

Fünf Jahre später schlossen sich die beiden Gesangvereine Sängerbund und Eintracht im Männergesangverein zusammen, der dann den Auftrag des Kirchenchores übernahm. Pfarrer Weiger hätte damals schon lieber einen selbständigen Kirchenchor gegründet, Göppel aber riet ab, weil dadurch der neue Männergesangverein gefährdet gewesen wäre. Nachdem er im April 1940 unerwartet rasch gestorben war, übernahm Oberlehrer Karl Dupper den Männergesangverein, doch widersetzte sich die Parteileitung und forderte im Frühjahr 1941, dass er den Stab niederlege. In dieser Not entschlossen sich Pfarrer Weiger und der langjährige Tenorsänger Franz Beron, den Männergesangverein als Kirchenchor weiterzuführen. Eduard Hermle und die Frau des Kaufmanns Otto Grimm spielten die Orgel, so dass feierliche Gottesdienste weiterhin möglich waren.

 

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