Neuhausen während dem Nationalsozialismus 1933 bis 1945

Vorbemerkung

Zum Überblick eine Zeittafel:

 

Der Weg in die Diktatur

Der Weg in den 2. Krieg

30.01.1933 Hindenburg ernennt Hitler zum Reichkanzler einer Koalitionsregierung

1935 Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht

Reichstagsbrand->Gesetz zu dem Schutz des deutschen Volkes 28.02.33

(Einschränkung der Grundrechte)

1938 „Anschluss „Österreichs

Besetzung Sudetenland

24.03.33 Ermächtigungsgesetz

(Aufhebung der Gewaltenteilung)

1938 Zerschlagung der Tschechoslowakei

Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums 7.04.33

01.09.1939 deutscher Angriff auf Polen

Gleichschaltung der Länder 07.04.33

1939-1941 Blitzkriege in Ord- und Westeuropa

Zerschlagung der Gewerkschaften ab Mai.33.

Besetzung Dänemarks, Norwegens, Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreichs

Gesetz gegen Neubildung der Parteien Juli 33 -> NSDAP wird Staatspartei

1941 Angriff auf Sowjetunion

Kriegseintritt USA

 

Nach Tod von Hindenburg übernimmt Hitler das Amt des Reichspräsidenten->

1942/43 Niederlage Stalingrad und El- Alamein

Vereidigung der Reichswehr auf „Führer und Reichskanzler Hitler“

1944 Landung der Alliierten in der Normandie

Vormarsch der Roten Armee

 

7./8./9. Mai 1945 bedingungslose Kapitulation Deutschlands

Ende des 2. Weltkrieges und

der NS-Herrschaft

 

NS in Neuhausen

Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsidenten von Hindenburg war keine Überraschung. Als Folge der Weltwirtschaftskrise und der Zersplitterung des Parteiensystems gewinnt die NSDAP bei Wahlen Stimmen und Anhänger, vor allem 1932. Der Wahlkampf wurde von den extremen Rändern (NSDAP und KPD) bestimmt, so z.B.1931 Saalschlacht der Anhänger der NSDAP mit den Kommunisten im Saalbau. 
In Neuhausen trat die NSDAP erstmals 1928 zu den Reichstagswahlen an, erreichte 0,5 Prozent und 1930 4,9 Prozent; im Juli 1932 11,2 Prozent. Im Reichsdurchschnitt erreichte sie 37,4 Prozent; stärkste Partei blieb das Zentrum mit 47,4 Prozent, die SPD errang 22,7 und die Kommunisten 16,3 Prozent. In Neuhausen wählten die Bürger die staatstragenden Parteien, vor allem Zentrum. 
Nach dem Reichstagsbrand werden durch eine Notverordnung nach Art. 48 der Weimarer Verfassung zentrale Grundrechte außer Kraft gesetzt. Kommunistische Versammlungen und Aktivitäten verboten.  Bei der Wahl am 5. März 1933 erreichen die Kommunisten dennoch 16,3 Prozent, Wahlsieger ist das Zentrum mit 40,5 Prozent, die SPD erringt 25,8 Prozent. 
Die NSDAP erhält 17,6 Prozent (Reichsdurchschnitt 43,9%);
Am Tag nach der Wahl hisste die SA erstmals die Hakenkreuzfahne auf dem Neuhäuser Rathaus.

 

Die besondere Haltung der Neuhäuser zur NSDAP geht dem Bericht des „Filderfreund“ vom September 1933 hervor: 
Anlass war ein Propagandamarsch der Politischen Leiter der NSDAP aus Esslingen durch Neuhausen.  (…)
Vor dem Einmarsch in Neuhausen gibt es am Waldesrand bei der Nellinger Halde eine kleine, wohlverdiente Rast, bevor man sich zur Kundgebung in Neuhausen aufmachte.
In vorzüglicher Disziplin erfolgt der Einmarsch. Die Gemeinde hat anlässlich eines Feuerwehrfestes schwarz-weiß-rot beflaggt. Von einem Hakenkreuz ist die ganze lange Straße entlang nichts zu sehen. Es scheint noch nicht bis nach Neuhausen durchgedrungen zu sein, dass des Reiches Fahnen die Hakenkreuz- und die schwarz-weiß-rote Fahne sind. Am Ortseingang erwartet uns die Neuhauser SA., die sich der von Ortsgruppenleiter Pg. Müller geführten Kolonne anschließt. Von den Neuhausenern haben wir bis jetzt wenig gesehen. Zu gleicher Zeit aber, als der Aufmarsch vor dem Rathaus, vor dem Neuhauser Vereinigungen Aufstellung genommen haben, ist der Gottesdienst zu Ende. Man erwartet, dass die Gemeinde nun vollzählig an der Kundgebung teilnimmt und ist baß erstaunt, als die Mehrzahl der Passanten ohne Augenaufschlag die Versammlung passiert. Nicht einmal schmetternde Marschmusik vermag den Enteilenden Interesse abzulocken.

 

Die Gleichschaltung des Gemeinderates - Absetzung von BM Rothenbacher


Bereits im März 1933 war ein neuer Gemeinderat zu wählen, in welchem die NSDAP die Mehrheit haben sollte. In Neuhausen hatte die NSDAP aber nur 17% der Stimmen erreicht. Die Regierung drohte mit der Einsetzung kommissarischer Gemeinderäte. Daraufhin reichten NSDAP und Zentrum einen gemeinsamen Wahlvorschlag ein, die SPD zog ihre Kandidaten zurück; damit hatte die NSDAP die Mehrheit im Gemeinderat erreicht. 
In einer neuen Gemeindeordnung von 1935 wurde dem Bürgermeister zwei ehrenamtliche Beigeordnete zugewiesen. Entscheidungen traf nun nicht mehr der Gemeinderat, sondern der Bürgermeister in Form von Verfügungen und Entschließungen. Der Gemeinderat hatte nur noch eine Scheinfunktion. 
Bürgermeister Albert Rothenbacher, katholisch, gehörte dem Zentrum an, wurde 1931 zum Bürgermeister gewählt, trat 1933 in die NSDAP ein. 
Er war ein Verwaltungsfachmann, man attestierte ihm, eine der dringendsten Aufgaben, nämlich die Entschuldung der Gemeinde, erfolgreich eingeleitet zu haben. 1938 gelang es der Partei nach mehrmaligen Versuchen, Rothenbacher zum Rücktritt zu bewegen. Sein Nachfolger wurde der linientreue ehemalige Gemeindepfleger Eduard Merz.

 

Die entscheidende Gemeinderatssitzung fand am 14. Januar 1938 statt:
Gemeinderat Anton Maier gab folgende Erklärung ab:
„Seit dem Jahre 1933 bemühe ich mich als Gemeinderat, dem Bürgermeister und damit der Gemeinde Neuhausen als ehrlicher Berater zu dienen. Die Erfüllung meiner Pflichten als Nationalsozialist und Gemeinderat wird mir aber schon seit langen Monaten durch die persönliche Haltung des Bürgermeisters Rothenbacher immer schwerer gemacht.
1.) „Seit Jahren beobachte ich, dass in Gemeinderatssitzungen - auf Vorschlag einzelner Gemeinderäte - immer wieder Vereinbarungen getroffen und seitens des Bürgermeisters Entschließungen gefasst werden, die aber trotz wiederholter Erinnerungen entweder überhaupt nicht oder nur nach Monaten oder Jahren zur Ausführung kommen.
2.) Vor allem in letzter Zeit stelle ich fest, dass die Gemeinderäte fast nur noch zu den am wenigsten bedeutungsvollen Gemeindeangelegenheiten um ihre Ansicht gehört werden. Wichtigste Entscheidungen werden - im Widerspruch zur Deutschen Gemeindeordnung - ohne Stellungnahme oder auch nur Unterrichtung der Gemeinderäte getroffen und auch ausgeführt.
3.) In wiederholten Fällen habe ich nach Besprechungen mit Bürgermeister Rothenbacher leider nachträglich feststellen müssen, dass seine Angaben in wesentlichen Punkten unrichtig waren.
Diese bedauerlichen Tatsachen, die eine erfolgreiche Arbeit der Gemeinderäte immer wieder verhindern, haben bei mir und einem großen Teil der Bevölkerung Neuhausens mehr und mehr das Vertrauen in die Person und die fachliche Eignung des Bürgermeisters Rothenbacher erschüttert…“

 

Die Partei ist im öffentlichen Leben präsent   
Seit Sommer 1932 besteht ein NSDAP Stützpunkt, seit 1933 eine Ortsgruppe unter Leitung von Erich Ott, Esslinger Kreisgeschäftsführer. 
Auf seinen Antrag wird in einem Gemeinderatsbeschluss der Schloßplatz in „Adolf-Hitler-Platz“, die Wilhelmstraße in „Hindenburgstraße“ und die Lindenstraße in „Horst-Wessel-Straße“ umbenannt. Der Platz zwischen Schule und Kirche soll als eine Anlage mit Gedenkstein und „Adolf-Hitler-Brunnen“ umgestaltet werden; das Vorhaben wurde nicht umgesetzt. 

Zentrales Anliegen der NSDAP war die Beschaffung von Räumlichkeiten für die Parteiorganisationen wie HJ, SA und Frauenschaft usw. 
1934 musste der Ochsen-Wirt zwei Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.
1936 wurde der Sängersaal im Ochsen und der Löwensaal im Löwen zur Verfügung gestellt.
Die NSDAP hatte ein Geschäftszimmer im Rathaus; Im Juli 1936 bediente man sich der Lehrerdienstwohnung im Schulhaus für den Ortsgruppenleiter.
1937 fordert der Ortsgruppenleiter die Überlassung der Räume im Gebäude Schloßplatz 11 – das sog. „Braune Haus“ 
1938 fällt der Beschluss zum Neubau des HJ-Heims.

 

Gleichschaltung der Vereine
Die Nazi-Herrschaft drang immer tiefer in die öffentlichen Belange ein.
Die Gesetze und Verordnungen im Juni und Juli 1933, die zur Selbstauflösung bzw. zum Verbot aller Parteien außer der NSDAP sowie zum Verbot jeder Parteineugründung führten, traf in der Gemeinde auch die Vereine. Ab 1934 wurden die Vereine gleichgeschaltet, d.h. sie mussten sich auflösen und ihr Vermögen wurde liquidiert:
Weil der Turn- und Sportverein sich 1920 dem Arbeiterturnerbund angeschlossen hatte, sprach ihm die Partei 1933 die Existenzberechtigung ab, er verlor das Heim, die Fahne und sämtlich Vereinsakten. 

https://tsv-n.de/de/component/content/category/185-chronik?Itemid=437
Das gleiche Schicksal ereilte den Rad- und Kraftfahrverein “Solidarität“, der seit 1913 bestanden hatte. RKV Neuhausen

Die beiden Gesangvereine „Sängerbund“ und Eintracht“ mussten sich zum Männergesangverein zusammenschließen. Das kulturelle Leben, Aktivitäten und Inhalt der Programme bestimmte künftig die Partei. Geschichte – Musikverein Neuhausen / Filder e.V.
Die beiden Musikkapellen „Presto“ und „Musikverein“ schlossen sich bereits 1930 aus finanziellen Gründen zu einem „Musikverein“ zusammen.  
Auch dieser Verein musste sich der parteipolitischen Kontrolle der örtlichen Parteileitung fügen, um seine Existenz zu sichern. Geschichte – Musikverein Neuhausen / Filder e.V.
Das Bürgermilitär  
Ziel der NSDAP, alle Vereine zu zentralisieren betraf auch das Bürgermilitär und den Krieger- und Veteranenverein. Geschichte - buergergarde-neuhausen Webseite!

 

Erziehung der Jugend und Schule 

 

Die Erziehung der Jugend im Sinne der NS-Ideologie führte in Neuhausen zu einem Konflikt zwischen Schulleiter Rektor Merkt und der NSDAP- Ortsgruppe.
Er ist ein Beispiel für einen Konflikt zwischen Anpassung als Schulleiter in einem öffentlichen Amt und seiner persönlichen Ablehnung, der Erziehung der Jugend durch die Parteileitung der NSDAP.

Der „Filderfreund“ berichtete am Dienstag, dem 2.Mai 1933 folgendes:
(Auszug aus der Rede von Rektor Merkt am 1.Mai 1933).
(…)
Es würde in unserer jetzigen Festes- und Ehrenstund‘ der Höhepunkt fehlen, wollten wir in diesem Augenblick nicht jenes Mannes gedenken, der in Tat und Wahrheit des Volkes Führer ist und nur ein Ziel kennt: Deutschland empor durch deutsche Sitte und deutsche Arbeit! Es ist unser hochverehrter Reichskanzler Adolf Hitler. Wie einst zu Römerzeiten, wo Deutschland auch darniederlag, Hermann, der deutsche Cheruskerfürst, sich ganz in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat, wie er seinen entmutigten Volksgenossen wieder neuen Heimatglauben und Heimatwillen eingepflanzt hat, so hat auch unser deutscher Volkskanzler am heutigen Tage wiederum alle Volksgenossen gesammelt und sie alle versichern, durch unentwegte Arbeit treuester Pflichterfüllung mitzuhelfen am Wiederaufstieg unseres deutschen Vaterlandes.
Mit dem Horst-Wessel-Lied und einem dreifachen Hoch auf den altehrwürdigen Reichspräsidenten und dem Granitfesten Willen unseres hochverehrten Reichskanzlers endete die vormittägliche Schulkinder-Ehrenversammlung.

 

Seine Rede steht im Widerspruch zu seiner persönlichen Ablehnung der   NSDAP. So schützte er zwei junge Lehrkräfte, die nicht der Partei angehörten, und untersagte der HJ die Benutzung des Schulhauses. Seine Weigerung, in die Partei einzutreten und Kontakt zu dem Ortsgruppenleiter zu pflegen, brachte ihn schnell in Schwierigkeiten.
1939 legte man ihm ein vorformuliertes Schreiben vor, mit dem Inhalt, er trete aus gesundheitlichen Gründen vom Posten des Rektors zurück. Er weigerte sich, dies zu unterschreiben. Anlass des Schreibens war, er hatte den Kindern erlaubt, zu Heilig-Drei-König, den Gottesdienst zu besuchen.
Das Kultusministerium erließ den Befehl, dass er sich um eine Oberlehrerstelle in Stuttgart bewerben müsse. Bevor Rektor Merkt die Stelle antreten konnte, verstarb er unerwartet an einem Schlaganfall.

 

Die Jugendarbeit in der katholisch geprägten Gemeinde wurde von der nationalsozialistischen Ortsgruppenleitung misstrauisch beobachtet, zumal diese sich nur schwer in die HJ und BDM eingliederten.
Die kirchlichen Feste, besonders die Fronleichnamsprozession fand jährlich mit großer Teilnahme der Gläubigen statt, obwohl der Besuch des Gottesdienstes immer schwieriger wurde. 1940 und 1941 wurde die Fronleichnamsprozession ganz untersagt und 1942 durfte sie nur auf dem Kirchplatz und ohne Bürgermilitär stattfinden.
Foto Fronleichnamsprozession in der Schlossstr. 1935
1936 wurde die Deutsche Volksschule eingeführt d.h. die Katholische und Evangelische Volksschule wurde zusammengelegt. Ziel war es, den kirchlichen Einfluss auf Bildung und Schule auszuschalten, dennoch gab es weiterhin Religionsunterricht an den Schulen.  Hierin begründet sich der Konflikt mit Rektor Merkt.

 

Die Rassegesetze von 1935 bedeuteten die Zwangsterilisation und Vernichtung von „lebensunwertem Leben“. Auch in Neuhausen wurden 1940 fünf Einwohner in Grafeneck vergast.

 

Stolpersteine in Neuhausen auf den Fildern
Stolpersteine_web_PDF.pdf
PDF-Dokument [7.8 MB]

 

Kriegswirtschaft

Die Konjunkturbelebung und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nach 1933 im Rahmen eines Sofortprogrammes umfasste Staatsaufträge, Flugplätze und den Autobahnbau. Die Arbeiten wurden oft ohne Maschineneinsatz gebaut und erforderten den Einsatz vieler Menschen und schufen dadurch Arbeitsplätze.  Der Bau der Reichsautobahn nach München führte über die Gemarkung Neuhausen. Die Arbeitskräfte waren ortsfremde Menschen, sie waren in Baracken untergebracht.  Für die Versorgung erhielten die Gastwirte von „Ochsen“ und „Jägerhof“ die Konzession zum Betrieb einer Kantine.

August 1939 wurde der Armeepferdepark stationiert, der verletzte und kranke Pferde pflegte. Die Neuhäuser mussten die Offiziere, Mannschaften und die Pferde versorgen.

Mit Kriegsbeginn folgten Einberufungen zur Wehrmacht und Zwangsbewirtschaftung.

 

Auch in Neuhausen gab es ab 1940 mehr als 300 Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter, Zwangsarbeiterinnen und Kriegsgefangene, welche den Arbeitskräftemangel in Handwerk, Gewerbebetrieben, Landwirtschaft und selbst in der Gemeinde beheben sollten.   

Foto: Zwangsarbeiterinnen


Aufgrund der Nähe zu Stuttgart (Flughafen) wurde Neuhausen am 2. März 1944 von britischen Bombern mit mehreren Brandbomben und Phosphorkanistern getroffen, die erheblichen Schaden verursachten u.a. in der Entenstraße, Unteren Bachstraße, Esslinger Straße und Mühlenstraße. Zur Brandbekämpfung waren neben der Freiwilligen Feuerwehr auch die Werksfeuerwehren der Firmen. Balluff (Flugzeugdrehteile) und Elma Fluggeräte GmbH eingesetzt. Eine Krankenschwester aus dem Kinderheim kam ums Leben, als sie eine Brandbombe im Garten unschädlich machen wollte.  Am 16. März 1944 wird ein britischer Bomber abgeschossen, stürzt über Neuhäuser Gemarkung ab, die Besatzung auf dem Friedhof beerdigt. Der Luftdruck einer explodierenden Bombe beschädigt im November 1944 die Gebäude der Dampfziegelei Gugel.

Historie – Freiwillige Feuerwehr Neuhausen

 

 

 

 

Das Kinderheim St. Josef

Im November 1943 wurden aus dem Stuttgarter Olga-Krankenhaus Kinder in das seit 1914 betriebene Kinderheim St. Josef verlegt.  1944-1946 verstarben 295 Kinder, unter ihnen 29 Kinder von Zwangsarbeiterinnen (1 Kind estnischer, 8 Kinder französischer, 5 Kinder polnischer und 15 Kinder russischer Nationalität). Seit 1991 erinnert ein Gedenkstein am östlichen Rand des Friedhofes an deren Schicksal.

 

Kriegsende 
Die letzten Tage vor Kriegsende waren gekennzeichnet durch ein Chaos von versprengten Soldaten, SS-Kompanien und Panzer, die den Ort verteidigen sollten und der Gewissheit, dass es nur noch Stunden waren, bis die Franzosen einmarschieren würden. Pfarrer Weiger und Bürgermeister Merz überzeugten den SS-Offizier, den Ort nicht zu verteidigen und sich auf die Filderhöhe zurückzuziehen.  Der Volkssturm wurde aufgelöst.
In den letzten Tagen zwischen 15. Und 19. April 1945 haben sich die Parteifunktionäre, SA-Leiter und Bürgermeister Merz in Richtung Alb abgesetzt; gerieten in der Nähe von Kirchheim in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 
Als Stellvertreter des BM wurde Kassenverwalter Heinrich Müller ernannt, er sprach französisch und englisch.  Die Einwohnermeldekartei wurde auf Anweisung der Gemeindesekretärin Martha Balluff auf dem Schlossplatz vergraben und nicht wie angeordnet verbrannt. 
Gegen Abend des 20. April 1945 marschierten die Franzosen von der Kirchstraße bzw. der Bahnhofstraße kommend in Neuhausen ein, ab 8. Juli 1945 gehörte Neuhausen dann zur amerikanischen Besatzungszone. 
Zum Gedenken an die 93 Gefallenen (1) aus dem 1. WK ließ die Gemeinde 1928 ein Ehrenmal errichten; erweitert um das Gedenken an die 168 Gefallenen und Vermissten (2) des 2. WK. 
Es stand auf dem Schloßplatz und wurde bei der Umgestaltung des Schloßplatzes auf den Friedhof verlegt. 

Die Ausführungen basieren auf folgenden Veröffentlichungen:
Edition Kulturgeschichte, Forschungen und Studien zur Kulturgeschichte von Neuhausen auf den Fildern, Bd. 6, erschienen 2022, Quelle zu (1) Fay, Willy, Neuhausen auf den Fildern unter dem Nationalsozialismus, erschienen im Jahre 2000 Neuhausen auf den Fildern, Geschichte eines katholischen Dorfes, Hrsg.v. Sönke Lorenz und Andreas Schmauder, Filderstadt 2003, Quelle zu (2) Fotografieen aus Privatarchiv Karl Bayer

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